Typische Zahn- und Kieferfehlstellungen

Überbiss, Engstand oder Kreuzbiss: Diese Übersicht hilft Eltern bei einer ersten Orientierung, ob eine genauere Prüfung des Anspruchs auf die Gratis-Zahnspange sinnvoll sein könnte. Entscheidend bleiben die persönliche Untersuchung und die genaue Messung nach den IOTN-Kriterien.

Was bedeutet „Gratis-Zahnspange“?

Für die kieferorthopädische Kassen-Hauptbehandlung muss eine schwere Zahn- oder Kieferfehlstellung vorliegen. Sie wird mit dem international verwendeten Index of Orthodontic Treatment Need (IOTN) eingestuft. Maßgeblich sind die Grade 4 oder 5 und ein Behandlungsbeginn vor Vollendung des 18. Lebensjahres. Bei bestätigtem Anspruch rechnen wir die vertraglich umfasste Behandlung direkt mit der Kasse ab.

Entscheidend ist der Schweregrad

IOTN 4 oder 5

Die Einstufung erfolgt anhand festgelegter Mess- und Befundkriterien – nicht allein danach, wie eine Zahnstellung auf einem Bild aussieht. Informationen der ÖGK

So wird der Anspruch geklärt

  1. UntersuchenZähne, Biss und Kieferentwicklung werden persönlich beurteilt.
  2. EinstufenDie ausgeprägteste Fehlstellung bestimmt den IOTN-Grad.
  3. BesprechenWir erklären Behandlung, Ablauf und die mögliche Kassenleistung.

Sie sind trotz einer früheren Einschätzung unsicher? Eine erneute kieferorthopädische Beurteilung kann Klarheit schaffen. Der IOTN-Grad hängt von konkreten Messwerten und vom ausgeprägtesten Befund ab. Ob eine neuerliche IOTN-Feststellung als Kassenleistung möglich ist, richtet sich auch nach Alter und bereits erfolgten Einstufungen.

Neun häufige Beispiele

Welche Fehlstellungen gibt es?

Die Zeichnungen helfen beim Einordnen. In der Realität können mehrere Fehlstellungen gleichzeitig vorkommen und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Illustration eines Überbisses

Überbiss

Die oberen Schneidezähne stehen deutlich vor den unteren. Für die Einstufung zählen unter anderem das gemessene Ausmaß und die Funktion.

Illustration eines Tiefbisses

Tiefbiss

Die oberen Frontzähne überdecken die unteren besonders stark. Bei ausgeprägten Formen kann es zu Kontakt mit dem Zahnfleisch kommen.

Illustration eines verlagerten Zahns

Verlagerte Zähne

Ein bleibender Zahn liegt außerhalb seiner normalen Durchbruchsbahn oder bricht nicht wie erwartet durch. Lage und Platzverhältnisse werden genau untersucht.

Illustration eines umgekehrten Überbisses

Umgekehrter Überbiss

Ein oder mehrere obere Frontzähne beißen hinter die unteren. Neben dem Ausmaß spielen mögliche Kau- oder Sprachbeeinträchtigungen eine Rolle.

Illustration eines Engstands

Engstand

Im Zahnbogen ist zu wenig Platz. Zähne können gedreht stehen, überlappen oder außerhalb der Zahnreihe durchbrechen.

Illustration eines offenen Bisses

Offener Biss

Beim Zubeißen bleibt zwischen oberen und unteren Zähnen eine Öffnung. Je nach Lage und Ausprägung können Kauen oder Sprechen beeinflusst sein.

Illustration eines fehlenden bleibenden Zahns

Fehlende Zähne

Ein bleibender Zahn kann von Natur aus nicht angelegt sein. Ob eine Lücke geschlossen oder später versorgt wird, hängt vom gesamten Befund ab.

Illustration einer Zahnlücke zwischen den Frontzähnen

Zahnlücke / Diastema

Eine sichtbare Lücke – häufig zwischen den oberen Schneidezähnen – kann verschiedene Ursachen haben. Sie bedeutet nicht automatisch medizinischen Behandlungsbedarf.

Illustration eines Kreuzbisses

Kreuzbiss

Einzelne obere Zähne oder ein ganzer Seitenbereich beißen innerhalb der unteren Zahnreihe. Dabei kann auch eine funktionelle Verschiebung auftreten.

Wichtig: Die Abbildungen dienen nur der Orientierung und ersetzen keine Untersuchung. Aus dem Aussehen allein lässt sich weder ein IOTN-Grad noch ein Anspruch auf eine Kassenleistung ableiten.

Unsicher, wie die Zahnstellung einzuordnen ist?

Bei einem Beratungstermin sehen wir uns die Situation in Ruhe an, prüfen die maßgeblichen Kriterien und erklären, ob weitere Schritte sinnvoll sind.

Fachlich geprüft von Dr. Dietmar Zuran, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie.